EineWelt Sachsen
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Pressemitteilung „So sollte sächsisch gehen!“

Mit Sorge betrachten wir – das Entwicklungspolitische Netzwerk Sachsen e.V. (ENS) – die zunehmende Fremdenfeindlichkeit in Sachsen. Vor allem unsere migrantischen Mitglieder berichten uns von alltäglichen Pöbeleien und Beleidigungen.

Die Unsicherheit von Migrant*innen wächst. Sie fragen sich, wem sie noch offen begegnen können und wem sie besser aus dem Weg gehen. Das Vertrauen ist erschüttert, Berührungsängste nehmen zu. Die Integration wird dadurch unnötig erschwert. Diese aus unserer Sicht verständliche Zurückhaltung führt wiederum zu Misstrauen bei der deutschen Bevölkerung.16-08-81-so-sollte-saechsisch-gehen

Das Image von Sachsen und besonders von Dresden ist beschädigt. Ein gebürtige Bolivianer, schon seit langem in Sachsen lebend, berichtet: „Häufig werde ich von meinen Verwandten und Bekannten aus meinem Heimatland besorgt kontaktiert und sie fragen nach: Geht’s dir gut? Willst du da nicht schnell wegziehen?“

Eine sächsische Imagekampagne: „So geht sächsisch!“ kann da wenig weiterhelfen, es sei denn sie wird flankiert mit tiefgreifenden Maßnahmen.

Anne Schicht, Koordinatorin des ENS e.V., findet: „Die sächsischen Politikerinnen und Politiker sollten diese Entwicklung reflektieren. Sie sollten investieren in politische Bildung und in Aufklärung. Gerade in ländlichen Regionen gibt es wenige migrantische Bürgerinnen und Bürger. Hier ist der Bedarf an Diskussion, wo Rechtsextremismus beginnt, besonders hoch.“

Migrant*innen und ihre Vereine brauchen mehr Beachtung. Viele sind müde geworden, sich einzubringen. Aber sie nehmen eine wichtige Funktion als Mittler und als Brückenbauer ein. Sie sollten nicht nur mit Worten wertgeschätzt werden, sondern auch finanziell. Häufig fühlen sie sich als Bittsteller, auch die, die schon sehr lange in Sachsen leben und ihre Kinder zu guten Bürgerinnen und Bürgern erzogen haben. Politiker*innen sollten ihre positive Haltung zu Migrant*innen öffentlich deutlich machen und sich zu ihnen bekennen.

Das Entwicklungspolitische Netzwerk Sachsen ist ein Dachverband mit 57 entwicklungspolitischen und interkulturellen Mitgliedsgruppen. Das Netzwerk betreibt landesweite entwicklungspolitische Bildungsarbeit mit dem Ziel, für entwicklungspolitische Themen zu sensibilisieren und ein Bewusstsein für Nord-Süd-Zusammenhänge zu schaffen. Dazu zählen Workshops, Seminare, Konferenzen, Diskussionsabende, Beratung und Information für Gruppen und Interessierte, Organisation von Ausstellungstourneen sowie Publikationen.