EineWelt Sachsen
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Dresden, 17. Mai 2017

„Braunkohle unter Dresdner Frauenkirche entdeckt“

 – Kunst-Aktion für Ressourcengerechtigkeit –

In einer gemeinsamen Aktion des Entwicklungspolitischen Netzwerk Sachsen und des INKOTA-netzwerks wurde am 17. Mai auf dem Dresdner Neumarkt mit einem satirischen Straßentheater die Frauenkirche geschliffen, weil darunter Braunkohlevorkommen entdeckt worden seien.


Eine Gruppe von als BauarbeiterInnen Verkleideten rückte nach dem angeblichen Fund an und sperrte das Gebiet weiträumig ab. Als die „Abrissarbeiten“ begannen, formierte sich eine Protestbewegung aus vertriebenen BürgerInnen und AktivistInnen um den Tagebau in der Dresdner Innenstadt zu stoppen. Leider hatte sie keinen Erfolg, sodass die BergarbeiterInnen triumphierend mit Eimern voller Kohle abzogen und eine Verwüstung hinterließen.
Mit der Aktion an der bekannten Frauenkirche zeigen wir, dass die Gewinnung von Rohstoffen sowie die Produktion unserer Konsumgüter oft mit gravierenden sozialen und ökologischen Problemen einhergehen – weltweit und auch ganz konkret vor unserer Haustür. Weil Deutschlands Versorgungssicherheit an erster Stelle steht, soll Kohle abgebaut werden, so die Argumentation vieler Akteure in Politik und Wirtschaft. Auf Umwelt, Kulturgüter und Menschenrechte könne dabei keine Rücksicht genommen werden. Nach dieser Logik müsste auch die Frauenkirche einem Tagebau weichen – aber wollen wir das?

Warum wir das machen

Der globale Ressourcenverbrauch hat sich in den letzten 30 Jahren verdoppelt. Das westliche, auf Wachstum ausgerichtete Wirtschaftsmodell benötigt zunehmend mehr von den zur Neige gehenden Rohstoffen und auch mehr Wasser und Landfläche. Dadurch wird die Überlebensfähigkeit künftiger Generationen massiv bedroht.

Menschenrechtsverletzungen weltweit beginnen teilweise schon bevor die Rohstoffe überhaupt gefördert werden. So laufen Bodenuntersuchungen, Probebohrungen und Verhandlungen häufig intransparent unter Ausschluss der Bevölkerung ab – obwohl Indigene Völker laut ILO-Konvention 169 das Recht auf Mitsprache bei der Entscheidung über Nutzung von und Eingriffe in ihren Lebensraum haben.

Beginnt dann die Erschließung neuer Rohstofflagerstätten, kommt es oft zu Zwangsumsiedlungen und gewaltsamen Vertreibungen. Kleinbauern und Kleinbäuerinnen verlieren dadurch ihre Lebensgrundlage. Oft werden nicht einmal Entschädigungen gezahlt. Wenn die Rohstoffe dann gefördert und weiterverabeitet werden, kommt es regelmäßig zu Verunreinigungen des Trink- und Grundwassers. Das Recht auf sauberes Wasser und Gesundheit wird also systematisch verletzt.

Was passieren muss

Rohstoffintensive Industrien müssen sich stärker mit der Art und Weise der Gewinnung von Rohstoffen auseinandersetzen und Verantwortung übernehmen für ökologische und menschenrechtliche Folgekosten des hohen Ressourcenverbrauches.

Die UN-Leitprinzipien Wirtschaft und Menschenrechte müssen konsequent umgesetzt werden. Dazu zählen: Staatliche Pflicht zum Schutz der Menschenrechte, Unternehmensverantwortung zur Achtung der Menschenrechte und Zugang für Betroffene zu effektiven Rechtsmitteln wie Klagemöglichkeiten.

Die Aktion vor der Dresdner Frauenkirche wurde geplant und umgesetzt von den TeilnehmerInnen des Workshops „Kunst für Menschenrechte“, der im April und Mai 2017 vom ENS und INKOTA organisiert wurde.

 

Weitere Bilder und Hintergrundinformationen:

https://www.inkota.de/