EineWelt Sachsen
* *

12. EPK Migration

04.11.06, 10 – 17 Uhr, Leipzig, Geisteswissenschaftliches Zentrum, Beethovenstraße 15

Heißt es nun Schlepperbande oder Fluchthelfer? Was hat die EU mit dem Emigrieren senegalesischer Fischer zu tun? Ist in Sachsen der Rassismus gesetzlich verankert? Fördern die Weltbank und der Internationale Währungsfonds die Migration von Süd nach Nord?

10 Uhr Vortrag I: “Woanders leben: gestern und heute und morgen”

…. gibt einen Überblick über weltweite Migrationsbewegungen und die Normalität dieses Phänomens. Warum migrieren Menschen? Wie wird in verschiedenen Staaten mit Migration und MigrantInnen umgegangen? Mekonnen Meshgena (Heinrich-Böll-Stiftung Berlin)

11 Uhr Vortrag II: “Vom Objekt zum Subjekt”

Migration in die EU soll durch Gesetze und Abwehrmaßnahmen verhindert werden. MigrantInnen lassen sich davon nicht beeindrucken sondern suchen sich Wege. Dieser Vortrag zeigt, dass sowohl Befürworter wie auch Gegner von Migration, Migranten gern als Objekte stigmatisieren, um ihre eigenen Interessen durchsetzen zu können. Serhat Karakayali (transmigration.org)

12 Uhr Mittagessen

13.00 bis 16.30 Uhr: Arbeitsgruppen

  1. Export von Grenzen:Stephanie Zeiler (Freie Journalistin, Berlin)
  2. Transnationale Netzwerke – MigrantInnen als Entwicklungshilfezahler: Elke Hermann (Bündnis90/Grüne, Albino Quessongo (Deutsch-Afrikanische Gesellschaft Leipzig e.V. – angefragt)
  3. Antirassistische Initiativen in Sachsen: IPPNW (Dresdner Studentengruppe der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges, Ärzte in sozialer Verantwortung), Amal Wurzen/Netzwerk Döbeln (Kampagne gegen die Ausgrenzung von AsylbewerberInnen
  4. Jenseits der europäischen Perspektive – Migration in Südamerika: Carlos Alonso Bedoya (Fachreferent Menschenrechte, Peru)(5) Rassismus in Deutschland/ Sachsen – Was können wir dagegen tun?
  5. Dieter Braun (Ausländerbeauftragte des Leipziger Missionswerkes): Johanna Stoll (Vorsitzende des Sächsischen Flüchtlingsrates e.V.)
  6. Migration in der Bildungsarbeit, Moderation: Carsten Ungewitter (Bildungsreferent)
  7. Brain Drain oder Brain Gain: Dr. Uwe Hunger (Politologe, Universität Münster) – angefragt, Katja Kipping (MdB

16:30 Uhr Abschlussplenum

Zusammenfassung der Konferenz aus verschiedenen Perspektiven

18 Uhr: Film am Abend

Abschiebung im Morgengrauen
(2005, Regisseur Michael Richter, ausgezeichnet mit dem Grimme-Preis)

Thema

“Alle Weltgeschichte ist im Kern Geschichte von Wanderungen” – Franz Oppenheimer, 1923

Die Entwicklungspolitische Konferenz soll den Zusammenhang von Migration und gesellschaftlicher Entwicklung/gesellschaftlichen Verhältnissen thematisieren. Entwicklungspolitik beschäftigt sich mit den Ursachen und Auswirkungen der Migration in den Ländern des Südens. MigrantInnenarbeit und Netzwerke beschäftigen sich vor allen Dingen mit dem Leben Neuangekommener hier im Norden. Entwicklungspolitische Inlandsarbeit und interkulturelle/nicht-rassistische Arbeit sind Eine-Welt-Arbeit vor Ort. Wir wollen versuchen, die beiden “Szenen” zu verbinden. Welche Schnittpunkte gibt es außerdem zwischen den Engagierten und MigrantInnen in Sachsen? Inhaltlich soll das Thema Migration “normalisiert” werden – Migration ist wertvolle Grundlage jeder Gesellschaft, MigrantInnen wählen ihren Lebensweg, Migration geht über Grenzen unabhängig davon wie gut diese gesichert werden!

Hintergrund

Auch wenn Migration und Entwicklung eng mit einander zusammenhängen, fehlt oft eine Verbindung zwischen den Gruppen, die sich politisch mit einem der Themen auseinandersetzen.
Für die Entwicklungspolitische Szene scheinen anfänglich die sogenannten Push-Faktoren (Bedingungen in den Ursprungsländern) interessanter, jedoch sollte auch der Einfluss der sogenannten Pull-Faktoren (Anziehungspotentiale in den Zielländern) behandelt werden. Dass die Trennung der Faktoren nicht so exakt möglich ist, zeigen neuere Forschungen. Mit Migranten hier können nicht alle gleich entspannt umgehen. Häufig fehlt das Verständnis dafür, dass individuelle Wünsche vor die “Entwicklung” des eigenen Landes gestellt werden. “Wenn wir den E-Ländern helfen, sich zu entwickeln, müssen sie nicht mehr herkommen”… wäre eine drastische Zuspitzung dieser Sichtweise. Eine zentrale Frage könnte deswegen auch sein, ob es ein Grundrecht auf Migration gibt? “Bis wohin finden wir Migration gut?”
Die Anti-Rassistische Szene engagiert sich dafür, dass MigrantInnen hier gut leben können. Sie fragen kaum, woher die Menschen kommen, welche Ursache ihr Umzug hat.

Die Chance der Tagung besteht darin, die Anknüpfungspunkte für die verschiedenen “Szenen” zu suchen und sich über die unterschiedlichen Sichtweisen auszutauschen. Migration steht zwischen der Beschäftigung mit den MigrantInnen hier und mit den “Daheimgebliebenen” in den sogenannten Entwicklungsländern. Auch die Migration zwischen “Entwicklungsländern” soll thematisiert werden.

weitere Literatur

Südwind Themenheft Migrationsgruppen
BUKO-Papiere vom BUKO29 (Manuela Bojadzijev, Sabine Hess, Serhat Karakyali – www.transitmigration.org)
Weed – “Sie riefen Dienstleistungen und es kamen Migratnen – Die Regelung der Arbeitsmigration im Rahmen des GATS”
Institut für Migrationsforschung Duisburg-Essen: www.imaz.uni-essen.de
ila März 2005(283)
Dokumentation “Migration in Europa – Ängste, Realitäten und politische Irrtümer), Veranst. 28.04.06 – DHM (weiterdenken)
taz, 16.06.06 S. 3 “Wie sich die EU ihr Flüchtlingsproblem selber schafft” (D. Johnson und Francois Misser)