Offener Brief zur Gedenkstättenkonzeption des Bundes

Mehr als 40 Organisationen der afrikanischen, asiatischen und Schwarzen Communitys sowie zahlreiche Akteur*innen der Kolonialismus-Aufarbeitung haben sich mit einem gemeinsamen Offenen Brief an die Bundesregierung gewandt. Anlass ist die im November 2025 beschlossene novellierte Gedenkstättenkonzeption des Bundes, die koloniales Unrecht weiterhin nicht systematisch in die staatlich geförderte Erinnerungskultur aufnimmt .

Der Brief macht deutlich, dass Kolonialismus ebenso wie die NS-Terrorherrschaft und das SED-Unrecht staatlich verübtes Unrecht darstellt. Daraus ergibt sich eine Verantwortung des Bundes für Aufarbeitung, Erinnerung und Bildung. Die aktuelle Gedenkstättenkonzeption bleibt jedoch fast ausschließlich auf Nationalsozialismus und SED-Diktatur fokussiert. Kolonialismus wird lediglich am Rand erwähnt, vor allem im Zusammenhang mit Provenienzforschung zu Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten. Ein übergreifender erinnerungspolitischer Ansatz fehlt.

Die Unterzeichnenden kritisieren dieses Vorgehen als historisch und politisch problematisch. Kolonialismus ist Teil deutscher Gewaltgeschichte und hat sich nicht nur in den ehemaligen Kolonien, sondern auch auf deutschem Boden in Institutionen, Denkmälern, Museen und Alltagsorten manifestiert. Dennoch gibt es bislang keine dauerhaften Förderstrukturen auf Bundesebene, keine ausreichende finanzielle Unterstützung und keine systematische Einbindung der betroffenen Communitys.

Der Offene Brief formuliert daher klare Forderungen an den Bund. Dazu gehören die Bereitstellung ausreichender Mittel für Kolonialismus-Erinnerung, der Aufbau dauerhafter Förderstrukturen analog zur NS- und SED-Erinnerung, die bundesweite Unterstützung von Lern- und Gedenkorten sowie die zügige Umsetzung eines zentralen Lern- und Erinnerungsortes zu kolonialem Unrecht in Zusammenarbeit mit dem Land Berlin. Zentrales Anliegen ist zudem die verbindliche Beteiligung der Communitys an der Entwicklung und Umsetzung dieser Maßnahmen.

👉 Der vollständige Offenen Brief „Der Bund hat eine Pflicht zur Kolonialismus-Erinnerung“ findet sich hier:
Zum Offenen Brief

Der Text versteht sich als deutlicher erinnerungspolitischer Weckruf. Er fordert eine Erinnerungskultur, die koloniales Unrecht nicht länger ausklammert, sondern als integralen Bestandteil deutscher Geschichte anerkennt und entsprechend handelt.